Certamen 2014 Stufe 3 – Das Kolloquium in Jena

 

Certamen Thuringiae – eine wahre Freude

Münzfälschungen in der römischen Antike, Mit Zorn umgehen – antike Ratgeber, Gaius Julius Caesar, Die Wirkung der Rhetorik, Bestattungsrituale und römischer Totenkult, Drache – Held – Prinzessin, Lifestyle Ratgeber Antike und Wahre Freuden – falsche Freuden – das war die bunte Themenmischung zur dritten Stufe unseres Certamen Thuringiae, die am 30.6.2014 im Senatssaal der Jenaer Friedrich – Schiller – Universität stattfand. Und wieder einmal durften wir feststellen, wie aktuell Antike ist: nicht umsonst fand sich in zwei Titeln der Vorträge das Wort „Ratgeber“.

Die Vorträge wurden nicht „einfach nur gehalten“, sondern mitunter heftig und in kritischer Offenheit diskutiert. Es war sehr vielseitig und interessant. Langeweile kam an keiner Stelle auf! Wir staunten gemeinsam mit Valerie darüber, dass auf Münzfälschungen in der Antike manchmal sogar die Todesstrafe stand; wir bewunderten mit Radina wieder einmal Hippokrates und sein medizinisches Wissen; wir anerkannten folgende Aussage „Cicero hatte Powerpoint nicht zur Verfügung, deswegen habe ich dieses Mittel auch nicht gewählt.“ , was die Teilnehmerin Dora wahrlich nicht teuer zu stehen kam, wie wir noch sehen werden. Wir wurden Dank Sarah gar in die Märchenwelt geführt und verglichen den modernen Drachen mit dem antiken Drachen! Tobias ließ Caesar janusköpfig mit Putin erscheinen (sehr interessant!) und begleitete ihn auf seinem – wie er sagte – Weg „vom Tellerwäscher zum Millionär“. In der Unterwelt kennen wir uns nun Dank Martin wieder gut aus und Till wies uns mit Hilfe von Aristoteles, Plutarch und Seneca den Weg aus unheilvollen Zornesausbrüchen. Zu diesem Vortrag gab es übrigens am Abend gleich eine praktische Vorführung: Danke, Peer Mertesacker! Und schließlich durften wir uns mit Hilfe von Sophia und Seneca noch mehr Rat in Sachen „ein erfülltes Leben“ und „wahre Glückseligkeit“ einholen.

Ehe die Wettbewerbsteilnehmer an diesem Tag miteinander um ein Stipendium der deutschen Studienstiftung rangen, mussten sie in Stufe zwei des Certamen eine Facharbeit zu einem der angebotenen Themen schreiben, die von einer Jury gelesen und bewertet wurde.

Und damit nicht genug: am Wettbewerbstag selbst hatten die Schülerinnen und Schüler auch noch zwei jeweils eine Stunde währende Jurorengespräche zu absolvieren!

Zur Eröffnung durften wir den Studiendekan der Philosophischen Fakultät, Herrn Prof. Laurenz Volkmann, begrüßen, der in launigen Worten seiner Freude Ausdruck verlieh, dass Latein und Griechisch immer noch da seien!

Auch Herr Minister Christoph Matschie ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu erscheinen und in seiner Rede die alten Sprachen als Brücke in die Vergangenheit hervorzuheben. Jede Schülerin und jeder Schüler der alten Sprachen begebe sich auf eine Entdeckungsreise. Dass es dazu an den Schulen auch immer ausreichender Lehrkörper für die alten Sprachen bedarf, gab er zu …

Herrn Prof. Meinolf Vielberg in seiner Funktion als Sprecher des Auswahlausschusses der Studienstiftung des deutschen Volkes oblag es, das Regularium mitsamt Bewertungskriterien zu erklären. Dabei half ihm der Einsatz des „neuen Zauberwortes Transparenz“.

Allzu durchsichtig handelten unsere Tagesjuroren allerdings nicht. Bis 18.00 Uhr drang kein richtendes Wort nach draußen. Eine ganze Stunde lang hatten die 8 Schülerinnen und Schüler auf das „Urteil“ zu warten. Hier ging es ja auch nicht um Schönheit, wie sie dereinst Paris beurteilen sollte, sondern um Allgemeinbildung, Intelligenz, Einsatzfreude, Schreib – und Redekunst, Kreativität, Leistungsbereitschaft, soziale Kompetenz und gesellschaftliches Engagement, um hier ganz transparent einige Kriterien aus dem Bewertungskatalog zu nennen.

Als sich um 18.00 Uhr die Tür des Senatssaales auftat, um gleich danach mit der Bitte um Geduld wieder geschlossen zu werden, war die Spannung kaum noch erträglich. Umso schöner und überraschender erschien es uns, als klar wurde, dass sogar die ersten drei Wettbewerbsteilnehmer mit einem Stipendium der Studienstiftung ausgezeichnet werden konnten! Bei aller Transparenz hatte Herr Prof. Vielberg diese Möglichkeit bis zum letzten Moment verschwiegen!

Hier nun offenbaren wir die Namen aller hochverehrten Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gratulieren allen, den drei Ersten – ausgezeichnet mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, den fünf Zweiten – mit einem Geldpreis ausgezeichnet – zu ihrer Allgemeinbildung, Intelligenz, Einsatzfreude, Schreib – und Redekunst ……. :

1. Dora Burbank (Evangelisches Ratsgymnasium Erfurt)

2. Sarah Fritz (Evangelisches Ratsgymnasium Erfurt)

2. Till Scheitler (Angergymnasium Jena)

4. Sophia Wiegand (Arnoldischule Gotha)

5. Radina Arsenova (Dr. – Sulzberger – Gymnasium Bad Salzungen)

6. Martin Höfer (IGS „Grete Unrein“ Jena)

7. Valerie Albrecht (Spalatin Gymnasium Altenburg)

8. Tobias Niemand (Johann – Georg – Lingemann – Gymnasium Heiligenstadt)

Und schließlich möchte ich es nicht versäumen, allen Lehrer – Juroren, namentlich Frau Grell, Frau Golla, Frau Reißig, Frau Placke und Frau Werner dafür zu danken, dass sie die 8 Arbeiten gelesen und bewertet haben, für die Gespräche mit den Wettbewerbsteilnehmern zur Verfügung standen, aufmerksam den Vorträgen gefolgt sind und am Ende die Sieger gefunden haben – und das alles neben ihrer harten Arbeit als Lehrerinnen am Schuljahresende!! DANKE.

Besonders erwähnen möchte ich Frau Dr. Heubner, die die männliche Universitätsmannschaft mit weiblicher Pragmatik und organisatorischer Umsicht bereicherte und eine wunderbare kleine Rede zur Auszeichnung hielt.

Alle anderen Helfer sind namentlich in meiner Begrüßungsrede, die im Anschluss an diesen Text nachzulesen ist, benannt.

Gerlinde Gillmeister

(Vorsitzende des Thüringer Altphilologenverbandes)

Begrüßungsrede zur dritten Stufe des Certamen Thuringiae MMXIV

„Ludwig von Hofmann, sehr geehrte Damen und Herren, hat uns dieses wunderbare Wandgemälde hinterlassen, geschaffen im Jahre 1909, restauriert zwischen 1990 bis 1993.

Die neun Musen sind es, die die Atmosphäre dieses Saales bestimmen; die neun Musen mögen uns heute den Schwung für unseren besonderen Tag verleihen. Vielleicht kommt es ja am Ende zu einem kleinen Jubeltanz – Terpsichore wäre sicher angetan.

Ich möchte sie nun auch anrufen, die neun hochverehrten Damen, und manch eine von ihnen ganz speziell für den heutigen Tag.

Für gutes Sprechen, für das Rhetorische bitte ich um Beistand von Kalliope, der Dame mit der schönen Stimme. Wir verehren dich, denn nicht nur die Rhetorik, auch Philosophie, Wissenschaft und epische Dichtung liegen dir am Herzen. Ein gutes Arbeitsrevier!

Ich rufe Klio an, die Rühmende: Hilf mir, wenn ich unsere fleißigen Schülerinnen und Schüler loben möchte! Denn sie haben fast am Schuljahresende engagiert zusätzliche Arbeit auf sich genommen. Sie begaben sich tief in antike Gefilde und haben eine Facharbeit geschrieben. Ich rühme sie: Sie besitzen genug Energie, um sich heute hier mit einem Vortrag und in persönlichen Gesprächen den strengen Juroren zu stellen!

Und schon kommt mir die nächste Muse in den Sinn.

Ich rufe Erato an, die Liebevolle: Steh den strengen Juroren bei, wenn sie ihre Urteile fällen, aber umgarne sie nicht, lass sie objektiv bleiben.

Euterpe brauche ich unbedingt: Schenke uns deine erfreuende Gegenwart und lass diesen Tag heute in guter Stimmung gelingen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich sagen, dass ich meinerseits schon hocherfreut bin, nämlich darüber, dass wir in diesem Jahr 8 Teilnehmer an der 2. und 3. Stufe unseres Certamen Thuringiae haben.

Ultima, sed certe non ultimum, suche ich Beistand bei Thalia. Ab und zu verlässt sie die Buchhandlung und kommt feiern. So auch hier heute mit uns. Danke, Thalia, du Festliche, du Blühende!

Die Rede kann beginnen.

Ich begrüße zuerst einmal recht herzlich alle acht Wettbewerbsteilnehmer!

Drei von ihnen wissen jetzt, was Glück ist: Seien Sie gegrüßt, Dora, Radina und Martin!

Zwei andere sind tiefer in die Mythologie eingedrungen und haben versucht, das manchmal eigenartige Verhalten mythologischer Helden, in diesem Falle das des Herakles und des Narziss, zu verstehen: Herzlich willkommen, Tobias und Till!

Eine Teilnehmerin beleuchtete die Rolle der Frau im antiken Rom: Wir grüßen Sie, Sophia!

Und schließlich gilt ein freundliches Willkommen Valerie und Sarah. Sie haben sich mit Festen und Festkultur in der Antike beschäftigt. Da kann man sicher noch so einiges für heute lernen, oder?

Aber das gilt ja für alle Themen, die zur Auswahl standen. Das gilt für die gesamte Antike. Und ich darf es bei dieser Gelegenheit wieder einmal laut sagen: Es ist einfach herrlich, dass wir Latein und Griechisch – dieses Fach leider nicht in einem froh stimmenden Maße – im Reigen der modernen Unterrichtsfächer nennen können.

Sehr geehrter Herr Minister Matschie, sehr geehrter Herr Professor Volkmann, ich begrüße Sie herzlich und freue mich sehr, dass Sie heute bei uns sind und unseren Wettbewerb unterstützen und begleiten.

Die alten Sprachen sind nicht alt, in diesem Kreise brauche ich das nicht zu betonen. Sie sind frisch; sie nützen uns in beinahe jeder Beziehung etwas: Homer ist der allergrößte Meister. Er lehrt uns psychologisches Feingefühl, Dramatik und Struktur, Cicero bringt uns die gute Rede bei, Seneca hilft uns ganz pragmatisch mit alltagstauglichem philosophischen Denken, mit Catull gehen wir durch jede Phase von Liebeskummer, mit Ovid lernen wir, ihn zu heilen, Martial zeigt uns, wie wir poetisch Wahrheiten verkünden können, Plinius ist noch der alten Marotte des Briefeschreibens kundig – das hilft auch im Emailverkehr, und Vergil lehrt uns Mitgefühl und Menschlichkeit. Und letztendlich ist das nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was möglich ist.

Was ich mich in letzter Zeit immer häufiger frage: Können wir diese Fächer an der Schule erhalten?? Begehrt sind sie:

Nicht alle Schüler der vierten Klassen, die Latein lernen wollen, finden am Gymnasium einen Platz in einer Lateinklasse.

Es gibt viele engagierte Lehramtsstudenten; Referendare mit einem frischen Methodenrepertoir, junge Lehrer haben wir auch – zumindest in der Warteschlange.

Aber passen unsere Sprachen in die vielen neuen Schultypen; kann die Gemeinschaftsschule etwas damit anfangen?

Das sollte sie …

Bewahren wir in Zeiten des Schnellen, des vielfach gleichzeitig Informativen und Unruhigen dieses wichtige Basiswissen, die schöne Literatur, die Modellgrammatik, den Wortschatzreichtum. Das kommt unserer Muttersprache zu Gute, die doch bitte ihre Gediegenheit auf der einen und ihre Flexibilität auf der anderen Seite nicht einbüßen möge!

Latein ist für unsere deutsche Sprache ein guter Bewahrer. Finden wir gemeinsam Wege, diese alten Sprachen mit einem modernen Bildungssystem in Einklang zu halten!

Sehr geehrter Herr Prof. Vielberg, sehr geehrter Herr Prof. Thiel, liebe Frau Dr. Heubner, lieber Herr Dr. Ehlen, lieber Herr Dr. Kirchner, lieber Herr Dr. Pahnke, liebe Fachkollegen, verehrte Juroren, liebe Gäste,

ich möchte Ihnen danken: den einen für ihre langjährige, tatkräftige Unterstützung und Beförderung unseres Certamen Thuringiae von Seiten der Universität. So konnte der Wettbewerb ein richtiges Aushängeschild für Thüringen und unseren Thüringer Altphilologenverband werden. Ich möchte dieses Dankeschön mit dem an die Lehrerinnen und Lehrer verbinden, die sich Jahr für Jahr an den vorbereitenden Maßnahmen beteiligen, die Zeit und Engagement aufbringen, um das Certamen zu gestalten. Herzlichen Dank!

Ich freue mich, dass wir immer wieder Schülerinnen und Schüler für den Wettbewerb und v.a. auch für diese zweite und dritte Stufe gewinnen können. Das liegt auch an den Lehrerinnen und Lehrern, die ihre Schützlinge mit Hingabe und Motivationsfähigkeit unterstützen und anfeuern. Und diesen Kolleginnen und Kollegen danke ich sehr!

Liebes Auditorium, damit sind wir wieder bei den wichtigsten Leuten der heutigen Veranstaltung, den socii certaminis, die uns im Verlaufe dieses Tages mit ihren Vorträgen noch in Bann ziehen werden.

Hierher gebracht hat sie ganz bestimmt Freude an geisteswissenschaftlicher Arbeit, ein Interesse daran, gewisse Dinge tiefgehender zu behandeln, als es manchmal in der Schule möglich ist, und sicher auch die Freude an Sprache, gleich, ob alt, ob modern.

„Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.“ Ganz klar ein senecaescer Gedankensplitter. Bei ihm findet man ja immer einen Tagesspruch. Und dieser passt genau für heute.

„Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.“

Vorbereitet sind alle: Die Musen sind versammelt. Der Minister eilte herbei. Die Juroren stehen in den Startlöchern.

Die Gelegenheit ist da: Sie, liebe Schülerinnen und Schüler können sich einmal außerhalb der Schule – in echter Universitätsluft – ausprobieren und präsentieren. Es gibt Preise!! Allen voran lockt ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Liebe Musen, für euch ist ganz bestimmt heute so einiges dabei, was euch erfreut und neuen Schwung verleiht, sodass eine weitere Restauration noch ein wenig nach hinten verschoben werden kann.

Ich freue mich, hier zu sein und wünsche allen, besonders den socii certaminis, viel Freude und gutes Gelingen!

Vielen Dank!“